Wertorientierungen nach S. Schwartz

Schwartz und Mitarbeiter
Die Forschungsergebnisse von Schwartz und seinen MitarbeiterInnen (Schwartz/Bilsky 1987; 1990; Schwartz 1992; 1994) werden häufig unter dem Aspekt der Übereinstimmung (Parker 1998:178f.) oder der Ergänzung (Smith / Bond 1998:54f.) der Resultate Hofstedes gesehen, obwohl sich die Autoren in methodischer Hinsicht wie auch bezüglich des Untersuchungsfokus von anderen Forschern in diesem Feld abgrenzen (wollen) (Schwartz 1997:73): "The most common approaches infers the prevailing value emphases in societies by averaging the value priorities of individuals (e.g., Hofstede, 1980...). This approach views individual value priorities as a product both of a shared culture and of unique individual experience."
Die Grundannahme lautete, dass zunächst die basalen menschlichen Grundbedürfnisse identifiziert sein müssen, um daraus die Wertvorstellungen mit den entsprechenden Wertkategorien (domains) ableiten zu können. Die in der Literatur vorgefundenen formalen Definitionen basieren laut Schwartz und Bilsky (1987:551) auf den Annahmen, Werte seien "...(a) concepts or beliefs, (b) about desirable end states or behaviors, (c) that transcend specific situations, (d) guide selection or evaluation of behavior and events, and (e) are ordered by relative importance ...". Zur Erweiterung der formalen Definition um die Bedeutungsinhalte von Werten fügen die genannten Autoren hinzu (ebenda:551): "Values are cognitive representations of three types of universal human requirements - needs of individuals as biological organisms, requisites of coordinated social interaction, and survival and welfare needs of groups. Individuals are born into a reality characterized by these universal requirements...To be effective members of social groups, individuals must communicate about them" (vgl. auch Schwartz 1990:142; 1997:71). In der Definition von Schwartz und Bilsky (1987:551) sind verschiedene Wertformen vor allem durch drei Eigenschaften gekennzeichnet:
Aus verschiedenen Untersuchungen (Schwartz / Bilsky 1987; Schwartz / Sagiv 1995) gingen zunächst 56 unterschiedliche "Wertprototypen" hervor, die zwischen 1988 und 1995 mittels des Schwartz Values Inventory (SVI) aus einer Stichprobe von 44000 Respondenten aus 47 verschiedenen Ländern gewonnen wurden. Durch Wiederholungsstudien konnten Schwartz und Ros (1995; Schwartz / Sagiv 1995) letztendlich 45 Werte als "relativ" stabil hinsichtlich ihrer kulturell übergreifenden Bedeutung identifizieren, die in drei bipolaren Grunddimensionen auf sieben Wertkategorien verteilt angesiedelt wurden.

Diese drei Grunddimensionen in der Diktion Schwartz' (1997:78f.) sind:



Als ein Ergebnis hält Schwartz (ebenda:79) fest: "Multidimensional scaling analyses of the average national scores on these values supported the theoretical specification of seven value types ... Nation scores for each value type and dimension were computed by combining the values that represented it."

Die sieben Wertkategorien mit einer Auswahl aus den zugehörigen Werten sind (vgl. Schwartz 1994):

Durch den Vergleich der Wertstrukturen verschiedener Nationalitäten konnten Schwartz und Sagiv (1995) herausfinden, dass bestimmte Werte in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bedeutungsinhalte besitzen. Auf Grundlage der dimensionalen Basis wurden fünf unterschiedliche "Kulturräume" gebildet, die sich in ihren Wertmustern unterscheiden: Westeuropa, Osteuropa, Ostasien, Englisch sprechende und islamische Nationen (Schwartz 1997:79). Eine sowohl quantitative wie qualitative Erweiterung des Untersuchungsfeldes ist zunächst in der Einbeziehung ehemals (oder zum Untersuchungszeitpunkt noch) planwirtschaftlich organisierter Länder des früheren Ostblocks zu sehen. Schwartz und Bardi (1997) konnten zudem durch weitere Studien in osteuropäischen Ländern die zuvor beschriebenen Wertstrukturen und die daraus abgeleiteten Kulturmuster belegen: Demnach (Schwartz / Ros 1995) werden westeuropäische Länder bezüglich der Wertkategorien Egalitarismus und Autonomie hoch und mit Hinblick auf die Wertkategorien Hierarchie und Konservatismus niedrig eingestuft. Die zum ostasiatischen Pool zählenden Länder weisen eine genau umgekehrte Wertorientierung auf. Die Englisch sprechenden Nationen unterscheiden sich von den westeuropäischen vor allem durch eine hohe Attribution der Mastery- und Hierarchie-Werte bei niedrigen Werten in den Kategorien Harmonie, Konservatismus, Egalitarismus und intellektueller Autonomie (Schwartz 1997:79f.). Die Konzeption von Schwartz besticht vor allem durch ihre qualitative und auch quantitative Erweiterung der bisherigen Ansätze und verspricht dadurch eine größere Präzision in der Abbildung von Werteinstellungen im interkulturellen Vergleich.

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