Bereits 1952 sind Kroeber und Kluckhohn (1952, zit. nach Warthun 1996:8) bei dem Vorhaben, die unterschiedlichen Definitionen des Begriffes zusammenzutragen, auf über 300 verschiedene Definitionen von "Kultur" gestoßen, obwohl sich die Autoren in erster Linie auf ein ethnologisch theoretisch-methodologisches Erkenntnisinteresse begrenzten (Loenhoff 1992:114).
Mit Verweis auf die inhärente Problematik des Kulturbegriffes aus der Perspektive verschiedener Wissenschaftszweige, nämlich des gesellschaftstheoretischen und des handlungs- und kommunikationstheoretischen, kommt Loenhoff (ebenda:114; 138-139) zu der Folgerung:
"Das Spannungsverhältnis von Kultur als a) manifesten Objektivationen in Schrift und Symbolen, Alltagsprodukten, Kunst u.a., b) den dahinter liegenden erklärenden und handlungsleitenden Wissensystemen, kognitiven Schemata und kulturspezifischen Kompetenzsystemen und c) konkreten Handlungen und Kommunikationen, die Kultur produzieren und reproduzieren und nutzen, wird durch die meisten Theorien zugunsten eines Pols aufgelöst. Die daraus resultierende Einseitigkeit reduziert den Blickwinkel und schmälert den jeweiligen Erklärungsanspruch."
Hofstede versteht Kultur als "...kollektive mentale Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet..." (1997a, 1997b:4).
Das Konzept der "kollektiven Programmierung" wird von Hofstede in Anlehnung an das "Habitus" - Konzept Pierre Bourdieus (1980) erklärt:
"Bestimmte Daseinszustände erzeugen einen Habitus, ein System permanenter und übertragbarer Dispositionen. Ein Habitus... dient als Basis für Praktiken und Vorstellungen..., die sich ohne eigentlichen Dirigenten orchestrieren lassen" (Hofstede 1997a:4).
Im Sprachgebrauch und -verständnis muss der Kulturbegriff Hofstede (ebenda:3) zufolge in zweierlei Hinsicht unterschieden werden: Einerseits werden mit ihm zivilisatorische Errungenschaften z.B. der Bildung und Kunst beschrieben. Andererseits beschreibt er die "mentale Software" als Erweiterung der
Handlungsebene bildungskultureller Ereignisse: Sie beschreibt, einem sozialpsychologischen Ansatz folgend, Vorgänge auf einem unbewussten Niveau der Handlungssteuerung und Bildung innerer Wertmuster: "Kultur ist erlernt, nicht ererbt." (ebenda:4).