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Das 5-Kulturen-Spiel wurde von dem früheren Leiter des Institutes für Interkulturelle Didaktik an der Universität Göttingen, Prof. K-H. Flechsig, konzipiert und entwickelt . Auch die folgendende Beschreibung basiert auf den Angaben des Institutes.

Spielidee: Die mindestens 12 und höchstens 24 Teilnehmer an diesem Spiel bilden 5 Gruppen.
Jede der 5 Gruppen vertritt eine Kultur (einen "Lebensstil") entsprechend einer ausführlichen Kulturbeschreibung (der "Rollenkarte"). Nachdem sich jede Gruppe mit "ihrer" Kultur vertraut gemacht hat, wird sie mit einem wichtigen Ereignis konfrontiert, das sie in Kontakt zu den anderen Kulturen bringt, deren "Lebensstil" sie jedoch nicht kennt. Bei dieser Konfrontation muß jede Gruppe versuchen

  • herauszufinden, welche Eigenschaften (Werte, Normen, Kommunikationsstile etc.) die jeweils anderen Kulturen (Gruppen) haben,
  • auf das Ereignis so zu reagieren, wie es ihrem kulturellen Selbstverständnis entspricht,
  • mit den jeweils anderen Gruppen erfolgreich zu kommunizieren, so daß die aus dem Ereignis sich ergebenden Probleme nach Möglichkeit gelöst werden und
  • aufgrund der dabei gemachten Erfahrungen ihre eigene Kultur weiterzuentwickeln und ggf. zu modifizieren.

Das Spiel läuft über 3 Runden, d. h. drei Ereignisse werden bearbeitet. Das Spiel kann jedoch um weitere Runden verlängert werden. Nach jeder Spielrunde findet eine Auswertung statt, in der die interkulturellen Erfahrungen thematisiert, reflektiert und beurteilt werden.

Theoretischer Hintergrund: Das Fünf-Kulturen-Spiel stützt sich auf das kulturtheoretische Konzept von Thompson, Ellis & Wildavsky (1990). Dieses besagt, daß es weltweit 5 existensfähige Lebensstile gibt: einen hierarchischen, einen egalitären, einen individualistischen, einen fatalistischen und einen "einsiedlerischen". Diese 5 Lebensstile kommen in allen Gesellschaften vor, allerdings unterschiedlich häufig, in unterschiedlichen Ausprägungen, in unterschiedlichen Beziehungen untereinander und mit unterschiedlicher Dominanz. Den Lebensstilen entsprechen jeweils bestimmte Weltbilder und charakteristische Menschenbilder. Man muß jedoch davon ausgehen, daß Individuen jeweils mehr als nur einem dieser Lebensstile verbunden sind, daß somit "mehrere Seelen in einer Brust wohnen", von denen jedoch in der Regel eine dominiert. Da für die interkulturelle Kommunikation jedoch der in der jeweiligen Situation dominante aktuelle Lebensstil wirksam wird, ergibt sich daraus kein Widerspruch zum Spielkonzept.

Zielgruppen: Als Zielgruppe kommen Jugendliche ab ca. 16 Jahren und Erwachsene in Frage. Sie können der gleichen Nation angehören oder gemischt-national zusammengesetzt sein.

Kontexte: Das Fünf-Kulturen-Spiel kann als Hauptereignis eines 2-3-tägigen interkulturellen Trainings organisiert werden. Es kann auch als ein Block in ein umfangreicheres Trainingsprogramm eingebettet sein. Und es kann als flankierende Aktivität in interkulturelle Begegnungen verschiedenster Art einbezogen werden.

Erwartete Wirkungen: Aufgrund seiner Komplexität vermittelt das Fünf-Kulturen-Spiel interkulturelle Erfahrungen und ermöglicht interkulturelles Lernen in mehrfacher Hinsicht:

  • Kulturelle Selbstwahrnehmung durch Kontrasterfahrungen bei der Übernahme einer vom eigenen dominanten Lebensstil verschiedenen Rolle.
  • Aufmerksamkeit und gesteigerte Sensibilität für kulturspezifische Eigenschaften anderer.
  • Einsicht in den Systemcharakter und damit in die Nichtbeliebigkeit kultureller Optionen bei gleichzeitig vorhandenen Freiheitsgraden.
  • Strategischer Umgang mit eigenen und fremden Lebens- und Kommunikationsstilen im Interesse gemeinsamer Problemlösungen zum wechselseitigen Nutzen.
  • Strategischer Umgang mit kulturspezifischen Konflikten.

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